Dzsenifer Marozsán

Dzsenifer Marozsán: Ich freue mich auf den Algarve Cup

Dzsenifer Marozsán kam bereits mit dem Fußballgen zur Welt, denn ihr Vater, János Marozsán, war ebenfalls Fußballprofi und ungarischer Nationalspieler.

Sie galt schon früh als Jahrhunderttalent. Die Mittelfeldspielerin ist die jüngste Bundesligaspielerin aller Zeiten und erzielte ihr erstes Bundesligator bereits im Alter von 15 Jahren für den 1. FC Saarbrücken, bei dem auch ihr Vater aktiv war. Mittlerweile läuft sie auf Vereinsebene seit 2009 für den 1. FFC Frankfurt auf.

Auf Nationalmannschaftsebene durchlief sie sämtliche Juniorinnen-Auswahlen des DFB und wurde unter anderem U-17-Europameisterin und U-20-Weltmeisterin. Seit 2010 spielt Marozsán für die deutsche A-Nationalmannschaft und holte mir ihr 2013 den Europameistertitel.

In einem ausführlichen Interview sprach Women’s Soccer United mit der 22-Jährigen über die derzeitige Situation auf Vereinsebene, ihre schönsten und bittersten Momente, die WM-Vorbereitung mit der deutschen Nationalmannschaft und ihre Ziele für Kanada 2015.

Women’s Soccer United: Dzsenifer, Sie haben mit dem 1. FFC Frankfurt kürzlich im Klassiker gegen Turbine Potsdam einen 5:1-Kantersieg gelandet und selbst einen wunderschönen Freistoßtreffer erzielt. Welche Eindrücke sind von dem Spiel geblieben und worauf führen Sie es zurück, dass ein so hochklassiger Gegner so deutlich besiegt werden konnte?

Dzsenifer Marozsán: Ich bin sehr glücklich über den Sieg. Dass es so deutlich ausgeht hätte niemand erwartet. Wir wollten unbedingt gewinnen und ich denke, das hat man von der ersten Minute an gemerkt. Dazu kommt, dass wir super Kombinationen gezeigt haben, einfach spielfreudig waren und aggressiv in den Zweikämpfen. Das war der Schlüssel zum Erfolg!

WSU: Mit dem FFC sind Sie in drei hochklassigen Wettbewerben vertreten und spielen überall eine tragende Rolle. Hinzu kommt noch die Nationalmannschaft. Bleibt da noch Zeit für Privates und wird die Belastung nicht manchmal zu groß?

Dzsenifer: Ja, das stimmt! Dieses Jahr ist sehr stramm. Viel Zeit für Privates bleibt uns tatsächlich nicht, aber es ist auch schön, in so vielen Wettbewerben präsent zu sein.

WSU: Mit der Nationalmannschaft sind Sie 2013 Europameisterin geworden. Gibt es eine Schlüsselszene oder ein Ereignis, an das Sie sich im Zusammenhang mit diesem Turnier besonders gern erinnern?

Dzsenifer: Ich erinnere mich immer wieder gerne an das Halbfinale gegen Gastgeber Schweden. Mir ist das wichtige 1:0 gelungen und das werde ich ganz sicher nicht mehr vergessen.

WSU: Im Sommer steht die WM in Kanada an. Anfang Februar gab es zum Auftakt der WM-Vorbereitung ein Trainingslager in Marbella. Wo lagen dort die Schwerpunkte und woran müsst Ihr noch arbeiten?

Dzsenifer: Zuerst wurde in Frankfurt unser Fitnesszustand geprüft, um anhand der Ergebnisse individuell arbeiten zu können. Anschließend sind wir dann nach Marbella geflogen und haben dort sehr konzentrierte und intensive Einheiten absolviert. Es gab verschiedene Schwerpunkte, wobei wir vorwiegend im taktisch-technischen sowie im athletischen Bereich gearbeitet haben.

WSU: Mit dem Algarve Cup steht nun ein weiteres hochklassiges Turnier an, das wegen der hervorragenden Besetzung mit neun WM-Teilnehmern eine optimale Vorbereitung für Kanada darstellen dürfte. In Ihrer Gruppe treten Sie unter anderem gegen Turnierneuling Brasilien an. Wie schätzen Sie die aktuelle brasilianische Mannschaft ein?

Dzsenifer: Ich habe noch nie gegen Brasilien gespielt, es ist also eine persönliche Premiere. Ich erwarte eine technisch versierte und spielstarke Mannschaft, wobei ich mich genauso auf die anderen Begegnungen in einer starken Gruppe freue. [Anm. d. Red.: Deutschland spielt in Gruppe A außerdem gegen Schweden und die VR China.] Der Algarve Cup ist eine hervorragende Vorbereitung für uns und eine gute Möglichkeit, vor der WM gegen starke Mannschaften zu testen.

WSU: Während es in den Vorjahren zwei vermeintlich stärkere und eine schwächere Gruppe gab und die vorderen Plätze nur unter den stärkeren Gruppen ausgespielt wurden, werden die drei Gruppen zum ersten Mal etwa gleichstark besetzt sein. Was halten Sie von dem neuen Format?

Dzsenifer: Ich finde dieses Format sehr gut und freue mich sehr auf den Algarve Cup.

WSU: Ihre Gruppengegner bei der WM sind die Elfenbeinküste, Norwegen und Thailand. Können Sie uns eine kurze Einschätzung dieser Teams geben?

Dzsenifer: Norwegen kennen wir mittlerweile sehr gut und wissen, dass es eine sehr robuste und zweikampfstarke Mannschaft ist. Zu Thailand und Elfenbeinküste kann ich Ihnen leider noch nichts Genaues sagen. Ich bin sehr gespannt, wie beide Teams agieren und demnächst werden wir sicher auch in ausführlichen Analysen auf diese Gegner vorbereitet.

WSU: Welche Ziele haben Sie sich für Kanada gesteckt, vor allem auch im Hinblick auf das ungewohnte Spiel auf Kunstrasen?

Dzsenifer: Ich will topfit sein und den nächsten Schritt in meiner Entwicklung gehen. Dass die WM auf Kunstrasen ausgetragen wird, können wir nun nicht mehr ändern und ich will natürlich mit meinem Team bis nach Vancouver – sprich ins Finale – kommen. Wichtig wird aber sein, dass wir von Spiel zu Spiel denken und all das umsetzten, was wir uns Monate vorher erarbeitet haben.

WSU: Noch eine letzte Frage: Sie spielen schon seit langem auf höchstem Niveau und haben viele Erfolge und persönliche Auszeichnungen sammeln können. Welches war der bisher schönste Augenblick Ihrer Karriere und welches der bitterste?

Dzsenifer: Der bitterste Moment war die verpasste Meisterschaft 2013/14 im letzten Spiel beim VfL Wolfsburg. Kurz vor Schluss haben wir das 1:2 kassiert und somit die Schale noch aus der Hand gegeben. Schöne Momente gab es viele, aber der schönste bisher war für mich der Gewinn der Europameisterschaft 2013. Mein erstes großes Turnier bei den Frauen – und dann auch noch gekrönt mit dem Titel. Das war schon toll!

1 Comment
  1. Asa 4 years ago

    Danke, dass Sie großes Interview Susanne

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